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Wir lösen das Mysterium der Mehrwertsteuer für Boote und Yachten

Sind Boote steuerpflichtig? Diese Frage stellen sich tagtäglich Tausende von interessierten Bootskäufern. Und wenn ja, welche Bootstypen müssen versteuert werden und in welchen Fällen? Wir lösen das Mysterium des EU Mehrwertsteuernachweises für gebrauchte Boote.

Wir möchten eine Randbemerkung vorweg machen. Ein Bootshändler kann Sie zum Thema Bootssteuer und zu verwandten Themen stets kompetent beraten, wie wir bereits in unsererm Interview mit Diamond Yachts Geschäftsführer Dines Pontoppidan diskutiert haben. Nicht nur jahrelange Erfahrung, sondern auch die Expertise in allen technischen und administrativen Belangen sind von unschätzbarem Wert. Das Interview können Sie hier nachlesen.

Welche Boote sind ein Steuerfall?

Zuerst einmal stellt sich die Frage, ob überhaupt alle Boote ein Steuerfall sind. Die Antwort auf diese Frage lautet NEIN. Einen Mehrwertsteuernachweis mus man nicht für alle gebrauchten Boote vorlegen Die ausschlaggebende Richtlinie ist die 92/111/EWG, die auch Besenrichtlinie genannt wird und am 14.12.1992 des EU Rates beschlossen wurde. Die Richtlinie trat am 1.1.1993 offiziell in Kraft und es wurde festgelegt, dass für Boote, die vor dem 1 1.1985 in Betrieb gesetzt wurden, eine Versteuerung vorauszusetzen sei. Für Staaten, die erst später in die EU aufgenommen wurden, gelten die folgenden Daten für die Steuerfreiheit von gebrauchten Booten:

 

  • Finnland, Österreich und Schweden: in Betriebsetzung vor dem 1.1.1997

 

  • Ungarn, Tschechien, Slowenien, Zypern, Litauen, Estland, Lettland, Malta, die Slowakei und Polen: in Betriebsetzung vor dem 1.5.1996

 

  • Rumänien und Bulgarien: in Betriebsetzung vor dem 1.1.1999

 

Der schwierige Fall mit dem Nachweis bei sehr alten Booten

Bei Booten, die sich in einem entsprechendem Alter befinden, ist der Nachweis der Mehrwertsteuer meist nur noch sehr schwer oder überhaupt nicht mehr möglich. Wenn dies der Fall ist, dann hat der neue Bootseigentüber das Nachsehen, denn dann kann es sein, dass er die Steuer dennoch entrichten muss. Ein möglicher Rettungsanker wäre die Verjährung. Die Fristen dafür reichen von 3 bis zu 10 Jahren. Allerdings kann anhand vergangener Gerichtsurteile festgestellt werden, dass die Verjährung keinesfalls eine ausreichende Sicherheit bietet.

 

Möglichkeiten zum Nachweis

Viele Menschen, die ein gebrauchtes Boot kaufen möchten, machen sich zum Thema Steuern entweder keine Gedanken oder sehen sich damit überfordert. Jedoch sollte man sich unbedingt über dieses Thema schlau machen oder einen Bootshändler zu Rate ziehen. Leider gibt es noch kein einheitliches EU-weites Dokument für den Nachweis der Mehrwertsteuer. Deswegen ist es den Zollbehörden aller einzelnen Mitgliedsländer überlassen, welche speziellen Dokumente ihnen als Steuernachweis ausreichen. Die folgenden Dokumente sollten aber in der Regel ausreichen:

 

1. Die Originalrechnung inklusive ausgewiesener Mehrwertsteuer

Eine Originalrechnung ist wichtig, die den Verkauf eines neuen Bootes direkt an den ersten Eigner bestätigt. Die Rechnung muss die EU Mehrwertsteuer ausweisen und den Vermerk “Gesamtbetrag vollständig bezahlt” enthalten. Idealerweise sollte eine vom Notar beglaubigte Kopie von Eigentümer zu Eigentümer weitergereicht werden.

 

2. Bestätigungen von offiziellen Stellen (z. B. dem Finanzamt oder Zoll)

Normalerweise sollten Bestätigungen von offiziellen Behörden, wie dem Finanzamt oder dem Zollamt, anerkannt werden, wenn daraus die bezahlte Steuer hervorgeht. Bei Nachversteuerungen von unversteuerten Booten erhält der Eigentümer den offiziellen Nachweis, dass das Gebrauchtboot je nach Zeitwert nachversteuert wurde. 

 

3. Die Transportdokumente T1 und T2L

Die Situation ohne die oben genannten Papiere kann schwierig werden. Wenn die Papiere nicht vorliegen, kann man im Notfall auch andere Dokumente als Steuernachweise verwenden. So z. B. die Formulare T1 und T2L der EU. An einigen Stellen werden diese als offizielle Steuernachweise betitelt. Das ist aber eher fragwürdig. Diese Frachtpapiere sind für die Vereinfachung und Vereinheitlichung des Frachtaufkommens gedacht und sind somit prinzipiell keine Mehrwertsteuerbescheinigung der EU. Es kann aber der Steuerstatus darauf vermerkt sein, weswegen sie unter Umständen von Zollbehörden anerkannt werden, wenn keine anderen Dokumente vorhanden sind.

 

4. Bescheinigung des Lieferanten oder Herstellers

Unter Umständen kann auch eine Bescheinigung vom Hersteller des Bootes oder des Lieferanten anerkannt werden, wenn daraus hervorgeht, dass die Umsatzsteuer bereits bezahlt wurde. Die Bundesfinanzdirektion stellt aber klar, dass es immer vom Einzelfall abhängt, ob solche Dokumente anerkannt werden oder nicht. Auch dies ist also keine sichere Methode. 

 

Bestätigungen vom Eigentümer oder vom Bootshändler oder Punkte im Kaufvertrag, die besagen, dass die EU Mehrwertsteuer bezahlt wurde, reichen generell nicht aus, sogar wenn eine solche Aussage im Kaufvertrag steht. Amtliche Schiffspapiere (z. B. deutsches Flaggenzertifikat) oder nicht amtliche Papiere (z. B. ADAC Bootsschein) werden ebenfalls nicht anerkannt, um die EU Mehrwertsteuer auszuweisen.

 

Welche weiteren Faktoren beeinflussen die Versteuerung und den Steuersatz?

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Die Umstände, wie Sie ihr Boot nutzen und wie sie es erhalten hat ebenfalls Einfluss darauf, wie es zu versteuern ist und zu welchen Steuersatz dies geschieht. Hierbei sollten die folgenden Punkte beachtet werden:

1. Der Liegeplatz Ihres Bootes

Wenn sich der Liegeplatz Ihres Bootes oder Ihrer Yacht außerhalb der Europäischen Union befindet, ist keine EU Mehrwertsteuer zu zahlen. Diese Begebenheit wird von Bootseignern dazu genutzt, um legal die Mehrwertsteuer umgehen zu können. Deswegen sollten Sie Vorsicht walten lassen, wenn Sie ein Boot außerhalb der EU kaufen und das Boot inklusive EU Mehrwertsteuer angeboten werden. Die Türkei, die Kanaren, Tunesien und der Norden Zyperns sind typisch für solche Steuerverstecke.

2. EU-Land

Die Steuern sind dort zu entrichten, wo Ihr neu erworbenes Boot erstmals im EU Staatsgebiet genutzt wird. Die Steuersätze können aber von EU Land zu EU Land unterschiedlich sein.

3. Modelle zur Steuervermeidung

Wenn das Boot aus einem Kaufcharter oder einem Leasingvertrag stammt, ist es oft nicht erkennbar, ob bereits Steuern bezahlt wurden und wenn ja in welcher Höhe. Nennenswert ist hier das sogenannte “French Leasing”. Bei dieser Variante können französische Boote zu geringeren Steuersätzen gekauft werden.

 

Die Gefahr von Betrügern

Wenn die oben genannten Dokumente, die eine korrekte Versteuerung ausweisen, nicht vorhanden sind, sollte das schon ein großes Warnsignal für Sie sein. Die nachfolgenden beiden Punkten weisen weiter darauf hin, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte:

1. Komplizierte Eigner-Händler-Liegeplatz Konstellation

Ein italienisches Boot aus einem Leasingvertrag, das von einem griechischen Makler irgendwo in  Marokko angeboten wird - das klingt schon einfach nur suspekt. Solche Umstände haben zwar nicht direkt etwas mit der Mehrwertsteuer zu tun, aber Sie sollten bei so komplizierten Verhältnissen die Papiere noch gründlicher prüfen, als Sie dies ohnehin schon tun würden.

2. Übertriebenes Vertrauensgehabe

Bei übermäßigem Vertrauensgehabe und Sätzen, wie “Sie können mir ruhig vertrauen” oder “Ich mache das schon immer so und es hat noch nie ein Problem gegeben” sollten Sie argwöhnisch werden. Ein seriöser Eigentümer oder Händler wird die nötigen Papiere für einen guten Nachweis der EU Mehrwertsteuer haben und auf Ihren Wunsch vorzeigen. In letzter Zeit gibt es in vielen EU Ländern vermehrt Kontrollen. Um also zu vermeiden, dass Ihnen Ihr gerade erst erworbenes Boot im nächsten festgesetzt wird, stellen Sie sicher, dass Sie immer einen ausreichenden Nachweis der EU Mehrwertsteuer dabei haben.

 

Eine umfassende Püfung aller Unterlagen kann für Laien sehr schwierig sein. Wie oben bereits erwähnt, raten wir daher einen Experten zurate zu ziehen. Bei viel zu hohen Beträgen sollte man nicht auf Beteuerungen der Eigentümer hereinfallen.

Sollte sich nach dem Erwerb eines Bootes herausstellen, dass das Boot trotz der Aussage des Maklers oder Vorbesitzers nicht versteuert ist, verlaufen Schadensersatzklagen gegen den lügenden Vertragspartner wegen der komplexen internationalen Rechtslage oft im Sand. Achten Sie also unbedingt auf einen ordentlichen Nachweise der EU Mehrwertsteuer.

 

Die Alternative - eine EU Aufenthaltsland Nachversteuerung

Es gibt aber auch einen ganz anderen Weg. Anstelle nach einem Boot zu suchen, bei dem die Mehrwertsteuer ganz sicher bereits gezahlt wurde, können Sie auch nach einem Boot suchen, bei dem Sie sicher sind, dass die Mehrwertsteuer noch nicht gezahlt wurde. Dann wissen Sie von Anfang an, womit Sie es zu tun haben. Nach dem Kauf können Sie dann das Boot im entsprechenden EU Aufenthaltsland nachversteuern. Andernfalls kann es auch unversteuert bleiben, wenn es nur außerhalb der EU genutzt wird.

 

Ein Anwendungsbeispiel

Ein Staatsbürger Deutschlands, er auch den Wohnsitz in Deutschland hat,  kauft ein unversteuertes Boot in der Türkei und registriert es in Deutschland (mit Flaggenzertifikat BSH). Er möchte es legal innerhalb der EU nutzen.

In welchem Land der EU ist dieses Boot nun steuerpflichtig? Das Boot muss im EU Aufenthaltsland versteuert zu werden. In diesem Falle also bei Einreise nach Griechenland zum dortigen Mehrwertsteuersatz.

Das Boot in Deutschland zu versteuern ist nur dann möglich, wenn es sich auch in Hoheitsgewässern Deutschlands aufhält. Es ist hierbei wichtig, dass die Zollbehörde Ihnen einen zulässigen Nachweis der Versteuerung ausstellt, damit sie bei der nächsten Zollkontrolle die Versteuerung auch nachweisen können.

 

 

Jetzt wissen Sie so einiges über die Versteuerung von Booten und wissen auf welche Punkte Sie bei ihrem nächsten Kauf genau achten sollten. Nun können Sie mit gutem Gewissen nach einem passenden Boot oder nach einer Yacht suchen.

 

 

 

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